Segeln auf der VEGA

Mit der VEGA auf Überführung

Reise, Reise…, mit der VEGA auf große Fahrt. Die VEGA ist eine 22m Yawl und schon stattliche 80 Jahre auf den Meeren unterwegs. Ursprünglich als Unterhaltungsschiff für reiche türkische Söhne in den Niederlanden gebaut, dient sie heute als Heimat des Skippers Axel und seiner Freundin Christine ( http://www.VEGA-Sailing.de ). Gelegentlich darf dann auch mal jemand mitfahren, wie z.B. ich. Mit einem Aufruf zum Videoprojekt 2017 konnte ich die Skipper überzeugen. Schnell war die Route abgemacht, zwei Wochen von Almerimar (Spanien) nach Cagliari (Italien).

Neue Motorwinsch der VEGA
Neue Motorwinsch der VEGA

Die korrekte Ansprache müsste eigentlich Herr Professor lauten. Denn Axel war in seinem vorherigen Leben Biologieprofessor u.a. in den USA und Deutschland. Als aber Biochemie und Molekularbiologie zur Zwangsjacke wurden, hat er diese einfach abgestreift und sein vom Vater geerbtes Hobby in den Mittelpunkt gerückt. Seit über zwei Jahren ist er der Eigner der VEGA und hat in dieser Zeit viel Herz, Schweiß und Geld in das Schiff investiert.

Seit rund einem Jahr ist er dabei nicht mehr allein. Mit Christine hat er eine Co-Skipperin an Bord, die mit ihm nicht nur die Leidenschaft des Segelns teilt. Als Paar genießen sie die gemeinsame Zeit auf See. Geplant war dies nicht, auch wenn die Media-Planerin eigentlich beruflich gerne nach vorne schaut. Ein lange verschobener Törn in der Türkei und die Aussicht, dass der Arbeitgeber von einem größeren Unternehmen geschluckt wird, ließen sie nach neuen Ufern schauen.

Nachtwache
Nachtwache

Der erste Moment auf dem Schiff mutete für mich wie eine Odyssee an. Die Winterarbeiten hatten noch deutliche Spuren an Deck und im Salon hinterlassen. Auch waren die neue Rollgenua und die Motorwinsch noch nicht installiert. Wenn ich von einem Traumschiff und einem Traumtörn geträumt habe, musste ich also spätestens jetzt aufwachen. Es lagen noch zwei Tage Arbeit und Aufräumen vor dem Ablegen. Hand gegen Koje eben.

Die Weisheit „viele Hände machen großer Arbeit bald ein Ende“ hat sich hier bewahrheitet. Die ständigen Begleiter des Schiffes Iris und Jona, die Skipper und ich konnten das Schiff dann doch überraschend schnell in einen ansehnlichen Zustand versetzen, auch wenn die Dusche besetzt mit den Wasserflaschen weiterhin out of order war. Die Weltenseglerin Iris (http://www.weltensegler.eu) hatte die Kombüse in ihren Händen. Und Jona war der gelernte Schiffbauer an Bord. Eine professionelle und damit kluge Zusammenstellung der Mannschaft. Der Törn wurde noch um vier Hand gegen Koje Gäste ergänzt. Somit konnten wir mit drei bzw. vier Wachmannschaften einem einzigartigen Törn entgegenblicken.

Kurs Formentera
Kurs Formentera

Auf der ersten Etappe von Almeria nach Formeuntera machte dem sportlich in der Welle liegenden Schiff auch gleich hoher Besuch die Aufwartung. Kurz vor dem Capo Tiñoso kreuzte die A-Jacht unseren Weg und ließ für einige Momente ihre Tarnhaube fallen. Kein schönes Schiff wie ich finde, aber allemal imposant und die beiden Schiffe gemeinsam sind ein atemberaubendes Dokument der Entwicklung im Schiffsbau. Mehr ist dazu auch nicht zu sagen, denn in meiner Freiwache entschied der Skipper die spanische Küste an achtern zu lassen und direkten Kurs auf Formentera zu setzen. Knapp 10sm östlicher wachte ich auf und konnte meiner Freundin mit dem letzten Handysignal einen Kuss zuwerfen. Danach war nur noch Meer.

Die "A" querab
Die „A“ querab

Anders als das Ablegen von der Mooring in Almeria und das Rückholen der Rollgenua in der ersten Nacht waren das Ankermanöver vor Formentera und Mallorca ein uneingeschränkter Erfolg. Der Sonnenuntergang sowie der nahende Vollmond entschädigten für die wenigen Stunden Schlaf, den ein Meilentörn mit sich bringt. Und die Einfahrt in den Hafen von Palma mit der unübersehbaren Kathedrale ohnehin. Es gab Landgang und Erholung vor dem nächsten Ritt von Menorca nach Sardinien. Wieder rund 270sm ohne Landmarke und mit begrenzten Duschmöglichkeiten. Das Schiff hatte im Winter einen neuen Motor, eine Rollgenua mit Motorwinsch, diverse strukturelle Holzausbesserungen und ein neues Rigg erhalten. Viel Arbeit für einige Monate im Hafen, doch es ist auch noch reichlich Arbeit nachgeblieben. Den Glanz alter Tage wird die VEGA erst in einigen Jahren wieder erhalten, wenn das Skipperteam noch weitere Zeit und Geld in den Ausbau des Innenlebens steckt.

Palma
Palma

Das versprochene Video konnte dann aber doch als Gegenleistung für die zwei Wochen Segelreise erstellt werden. Etwas anders als geplant zwar, denn gleich beim ersten Start des Copters landete dieser im Mittelmeer und verbrachte eine lange Stunde im Salzwasser auf dem Grund. Erst ein freundlicher Taucher fischte ihn aus 10m Tiefe und brachte ihn wieder an Bord.

Die Diagnose war schnell gestellt, Exitus. Die GoPro allerdings mit wasserfesten Case hatte den Tauchgang überlebt und dadurch konnten immerhin einige Luftaufnahmen ohne Gimbal und remote Bildkontrolle den Film schmücken. Vor Porto Teulada gelangen schöne Sequenzen der VEGA mit der FS7 und der EOS 750 gefilmt aus einem schwankenden Beiboot unter vollen Segeln.

Die Tage sind schnell vergangen. Der Wachrhythmus, die Konzentration auf die Arbeit und insbesondere die schönen Gespräche mit den zufällig an Bord gewürfelten Menschen wirken wie ein Zeitraffer. Die Erinnerung an die VEGA bleibt nicht nur in den Bildern. Das Leben an Bord erfordert Einschränkungen, entschädigt aber durch eindrucksvolle und unvergessliche Momente in der Natur. Ich bin gespannt, wo das Schiff wieder meinen Kurs kreuzt und wie es sich bis dahin verändert hat.

Allzeit gute Fahrt.

 

2 Gedanken zu „Mit der VEGA auf Überführung

  1. Hey Lothar,
    Danke dir für den netten Bericht und deinen Besuch bei uns an Bord Vega. War super dich dabei zu haben, auch wenn es deine Drohne leider nicht überlebt hat. Würde mich freuen wenn es im Juni nochmal klapoen würde.

    Beste Grüße und noch viel Erfolg mit deinen Projekten.
    Axel

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